Eine Woche vor meinem großen Klinikaufendthalt haben wir noch einmal einen wunderschönen Tagesausflug gemacht. Es ging in den Odenwald, genauer gesagt zuerst einmal in die historische Fachwerkstadt Michelstadt, die auf eine über 1.200-jährige Geschichte zurückblicken kann.
Wir bummelten gemütlich durch die idyllischen, engen Gassen, vorbei am historischen Kellereihof und dem Diebsturm bis hin zur Kainsbacher Mühle. Dort haben wir uns ein traditionell gebackenes Roggenbrot gekauft. Bei einem leckeren Eis haben wir einfach die Seele baumeln lassen und diese wunderschöne Stadt in vollen Zügen genossen.









Der Diebsturm ist Teil der städtischen Burganlage. Er wurde im Jahr 950 erbaut und diente, wie der Name schon sagt ab dem Jahr 1312 als Gefängnis. Da der Diebsturm im unteren Bereich keine Türen und Fenster hat, wurden die Gefangenen damals von der darüberliegende Etage mit einem Seil in die Zelle hinabgelassen.



Im Anschluss ging es vorbei an dem beeindruckenden Himbächel-Viadukt. Es ist eine historische, einspurige und 250 Meter langen Eisenbahnbrücke der Odenwaldbahn. Das Viadukt ist 40 bis 43 Meter hoch. Es gilt als historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst und wurde von dem Ingenieur und großherzoglich hessischen Baubeamten Justus Kramer geplant und in der Zeit von 1880 bis 1881 erbaut.



Der Ausflug führte uns weiter in das Odenwald-Neckartal. In Zwingenberg hatten wir uns ein Ziel gesetzt: Wir wollten die nur 1,5 km lange, aber außerordentlich romantische Wolfsschlucht bezwingen.
Ich war inzwischen gesundheitlich allerdings so angeschlagen, dass ich mich diese eigentlich kurze Strecke wirklich nur noch Schritt für Schritt hochquälen musste. Trotzdem hat sich jede einzelne Anstrengung gelohnt!
Ein schmaler Pfad führte uns über Naturtreppen immer am Wasser entlang. Das Zusammenspiel aus plätscherndem Wasser, grünem Moos, dichten Farnen und den Lichtspielen der Sonne, die sich ihren Weg nach unten bahnte, wirkte auf mich vollkommen märchenhaft. In diesem Moment war es einfach nur wunderschön, dem Alltagstrubel für eine kurze Weile ganz zu entkommen.



Leider war dieser Tag viel zu schnell zu Ende. Zu Hause erwartete mich nun der größte Kraftakt meines bisherigen Lebens – der lange Krankenhausaufenthalt mit Hochdosischemotherapie und anschließender Stammzellentransplantation.
Davon erzähle ich Dir in meinem nächsten Beitrag in der Kategorie: Mein Weg