Ein Stein namens „Hope“: Mein Weg in die Therapie

Nach gefühlt unzähligen Terminen und Untersuchungen bei meinem Onkologen und in der Klinik – die natürlich notwendig und wichtig waren – stand nun der Therapieplan fest. Dass dieser Weg am Ende nicht von Erfolg gekrönt sein würde, konnte ich damals natürlich noch nicht ahnen.

Die Entscheidung fiel auf eine Chemo- und Immuntherapie-Variante: R-Chop mit 6 Zyklen, alle drei Wochen. Da war er nun, der unbarmherzige Plan schwarz auf weiß. Die Worte brannten sich in mein Gehirn ein: Ich bin jetzt eine Chemopatientin. Eine Patientin, die bald eine Glatze haben wird.

Alle anderen potenziellen Nebenwirkungen, die weitaus schlimmer sein konnten als bei einem einfachen Hustensaft, waren mir in diesem Moment völlig egal. Ich hatte nur diesen einen Gedanken: Ich möchte nicht, dass mich irgendjemand mit Glatze sieht – erst recht nicht meine erwachsenen Kinder. Ich wollte nicht, dass sie mich so verletzlich, so schwer krank sehen. Ich wollte nach außen hin einfach nur die starke Frau bleiben, die ich immer war.

Und so fand ich mich kurz darauf in einem Perückenatelier ganz in meiner Nähe wieder: Haare & Kunst. Den Termin hatte ich bewusst noch vor meiner ersten Chemotherapie vereinbart. Die Inhaberin empfing mich unglaublich einfühlsam und sensibel. Sie breitete unzählige Kataloge vor mir aus, aus denen ich für einen späteren Termin Modelle zur Auswahl bestellen durfte. Letztendlich entschied ich mich für eine Echthaarperücke. Sie fühlte sich an wie mein eigenes Haar; ich spürte kaum, dass ich eine „Mütze“ trug. Bei der Verabschiedung drückte mir die Inhaberin einen von ihr selbst bemalten Kieselstein in die Hand. Darauf stand ein einziges Wort: „Hope“. Dieser kleine Stein sollte mir in der kommenden Zeit noch oft dabei helfen, die Hoffnung niemals zu verlieren.

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Doch vor der ersten Chemo stand noch eine ganz andere Hürde an: die Implantation des Ports. Ich hatte unglaublich Angst, ja fast schon Panik vor diesem Eingriff, da er nur unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden sollte. Aber auch hier hatte ich großes Glück. Ich geriet an einen unglaublich verständnisvollen Chirurgen, der sein Handwerk perfekt verstand. Dies wurde mir später von wirklich jeder Pflegefachkraft, jeder Assistentin und jedem Arzt bestätigt, die den Port für Medikamente anstechen mussten. Alle waren begeistert, wie perfekt dieser Port saß. Bis heute habe ich keinerlei Probleme mit ihm und hab beschlossen, ihn drin zu lassen, da ja ein follikuläres Lymphom wiederkommen kann. Meine Panik war im Nachhinein also völlig unbegründet – ich hatte während der gesamten OP dank des großzügigen Nachspritzens nicht ein einziges Mal Schmerzen.

Und dann war er da: der Tag des ersten Therapiezyklus. Mein Mann brachte mich in den Therapieraum, und als es Zeit war zu gehen, konnte er die Umarmung bei der Verabschiedung kaum lösen. Am ersten Tag wurde die Immuntherapie verabreicht, am folgenden Tag dann die Chemotherapie. Drei Wochen später folgte bereits der zweite Zyklus. Das Gute vorweg: Es war alles erstaunlich gut auszuhalten und von der gefürchteten Übelkeit blieb ich verschont.

Allerdings spürte ich deutlich, wie mein Körper durch die Diagnose und den beiden Therapien schwächer wurde. Ich kam plötzlich viel schneller außer Atem. Treppensteigen und Steigungen wurden zu einer echten Herausforderung. Doch ich weigerte mich, mich dieser Schwäche kampflos hinzugeben. Ich wollte nicht noch mehr abbauen. Also rafften mein Mann und ich uns auf und gingen direkt vor unserer Haustüre in den Weinbergen spazieren – Schritt für Schritt.



Nach diesem kräftezehrenden zweiten Zyklus und dem Bewusstsein, es kommen noch weitere 4 Zyklen, haben mein Mann und ich uns eine kleine, wohlverdiente Auszeit gegönnt. Kurz vor dem dritten Zyklus ging es für 4 Tage Ende März 2025 in die wunderschöne Pfalz.

Den Reisebericht zu dieser Auszeit findest Du in der Kategorie Fernweh (Reisen)

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