Nach unserer unglaublich schönen und erholsamen Auszeit in der Pfalz stand der erste Kontrolltermin bei meinem Onkologen an – nach zwei Zyklen Chemotherapie. Völlig ohne böse Vorahnung und voller Zuversicht ging ich zu diesem Termin.
Doch während der Ultraschalluntersuchung wurde der Blick meines Arztes immer besorgter. Dann die Nachricht: Die Therapie schlägt nicht an. Die vergrößerten Lymphknoten sind unverändert oder sogar leicht gewachsen. Ich konnte und wollte es nicht wahrhaben. Ich betonte noch, dass ich mich doch besser fühle und das große Lymphom in der linken Achselhöhle nicht mehr so drückt. Er zeigte mir die Messungen auf dem Bildschirm, deutete auf die gewachsenen Strukturen. Für mich fühlte es sich unmöglich an, dass mein Körpergefühl mich so täuschte. Es durfte einfach nicht sein, dass die Strapazen der letzten Wochen völlig umsonst waren.
Zur Absicherung wurde ich eine Etage tiefer zur Computertomografie geschickt. Aber auch der Radiologe brachte keine Hoffnung: ein klarer Progress. Die Chemotherapie half nicht. Mein Onkologe reagierte sofort, telefonierte mit der Spezialklinik und machte dort einen Termin aus. In meiner Angst fragte ich ihn direkt, was das nun bedeutet, ob es noch eine Chance auf Heilung gibt oder ob ich sterben muss. Seine Antwort: Es wird wohl auf eine Stammzellentransplantation hinauslaufen, alles Weitere muss die Klinik klären.
Die Heimfahrt erlebte ich wie in Trance. Ich rief meinen Mann an und teilte ihm mit, dass die bisherige Therapie absolut wirkungslos war. Für uns beide brach wieder eine Welt zusammen, ein absoluter Albtraum. Und doch schaffte mein Mann es, am Telefon unglaublich zuversichtlich zu bleiben und mich irgendwie zu beruhigen. Ab jetzt begleitete er mich zu jedem einzelnen Termin. Er wollte mich einfach nicht mehr allein lassen.
Der Termin in der Klinik rückte näher. Direkt am ersten Tag wurden Blutproben genommen und eine weitere Biopsie gemacht. Es galt die entscheidende Frage zu klären: Hatte sich der Krebs in eine aggressive Form umgewandelt. Von dieser Antwort hing nun alles ab.
Es folgten zwei quälende Wochen, in denen die Gedanken ununterbrochen kreisten. Und doch gab es Hoffnung, denn in der Klinik wurden ein paar wenige Therapieoptionen besprochen. Zu wissen, dass die Ärzte noch einiges in petto hatten, gab mir Kraft und Zuversicht.
Um mich abzulenken, haben mein. Mann und ich einiges unternommen. Wir machten Spaziergänge in der Natur und kleine Ausflüge. Ein besonderer Moment der Ablenkung war der Besuch bei meinem Sohn beim Motocross – ein Stück Normalität inmitten der Ungewissheit.









Pünktlich zwei Wochen später erreichte mich der erlösende, aber auch gefürchtete Anruf aus der Klinik. Als ich die Nummer auf dem Display sah, pochte mein Herz bis zum Hals.
Der Arzt war jedoch ganz ruhig. Er gab mir Entwarnung: Es ist beim Follikulären Lymphom geblieben. Der Krebs hat sich nicht in eine aggressive Form umgewandelt. Allerdings, so fügte er hinzu, wachse meine Variante schneller als üblich.
Ich erhielt direkt einen zeitnahen Termin, um die nun anstehende „Salvage-Therapie“ zu besprechen. In diesem Moment fuhr meine Gefühlswelt mal wieder Achterbahn: Auf der einen Seite war ich unendlich erleichtert – auf der anderen Seite kam natürlich sofort die Angst vor dem, was mich als Nächstes erwartet.
Der Termin war schnell da. Die Ärztin empfing uns sehr freundlich und erklärte uns direkt, dass es auf jeden Fall auf eine Autologe Stammzellentransplantation hinauslaufen würde. Der Plan klang wie ein riesiger Marathon:
Phase 1:
Zwei Intensiv-Chemotherapien stationär (jeweils 3 Tage) mit 3 Wochen Pause dazwischen, um die Lymphknoten zu verkleinern.
Phase 2:
Diese Phase wird nur gestartet, wenn die erste Phase erfolgreich war.
Ca. 7 Tage lang Spritzen, um die Stammzellen ins Blut zu locken. Sobald der Peak erreicht ist, werden sie über eine Apherese gesammelt, aufbereitet und eingefroren. Gesamte Dauer: 3 bis 4 Wochen.
Phase 3:
Fünf Tage Hochdosischemotherapie im keimfreien Überdruckzimmer.
Bei dieser letzten Phase wurde mir erklärt, was das eigentlich bedeutet: Mein Knochenmark wird bewusst komplett ausgeschaltet. Die Produktion aller Blutzellen stoppt. Die Leukozyten sinken fast auf null, die Infektionsgefahr ist riesig und der gesamte Magen-Darm-Trakt entzündet sich schwer (Mukositis). Ohne die anschließende Rückgabe meiner eigenen Stammzellen würde man diese Therapie schlichtweg nicht überleben.
Für meinen Mann war es ein unheimlich großer Schock. Für mich hingegen war es eine Lösung. Endlich gab es einen konkreten Plan, wie ich weiterkämpfen und die Krankheit besiegen kann. Was genau diese heftige Therapie eigentlich bedeutete, konnte ich in diesem Moment noch gar nicht richtig aufnehmen.
Mein Mann sagte auf der Heimfahrt nur: „Jetzt geht es ins Eingemachte“. Doch selbst diese Worte erreichten mich kaum. Ich war einfach nur froh und zutiefst beruhigt, dass die Ärzte einen weiteren Plan zur Bekämpfung meiner Krankheit hatten.
Wie ich diese Therapie überstanden habe, erfahrt ihr in meinen folgenden Beiträgen unter: „Mein Weg“