Nun war es so weit: Mein erster Klinikaufenthalt rückte heran. Dank einer Zusatzversicherung durfte ich für die ersten drei Nächte des ersten Zyklus der Intensivchemotherapie ein Appartement auf der Privatstation beziehen.
Der größte Vorteil? Ich war ganz für mich allein. Ich musste mich nicht mit den Schicksalen und der Psyche anderer Patienten auseinanderzusetzen. Meine eigene Psyche war dazu überhaupt nicht bereit – ich hatte mehr als genug mit mir selbst zu tun. Ich war so froh, dass ich diese Versicherung vor Jahren abgeschlossen hatte.
Die gehobenen Räumlichkeiten und das gute Essen täuschten fast über die harte Realität hinweg. Durch dieses Ambiente fühlte ich mich eher wie ein Gast in einem Luxushotel als wie ein schwerkranker Chemopatient.








Am ersten Tag sollte es gleich mit der Immuntherapie Rituximab losgehen. Diese Therapie kannte ich bereits schon aus meinen vorherigen Zyklen, die ja bekanntlich nicht angesprochen hatten. Dieses Mal bekam ich kurz danach allerdings unerträgliche Rückenschmerzen. Das prophylaktisch eingenommene Paracetamol wirkte nicht. Auch die anschließende Infusion brachte keine Linderung. Am Abend verordnete mir eine Ärztin schließlich Novalgin – doch auch das half kaum. Ich lag fast die ganze Nacht wach. Erst am nächsten Morgen waren die Schmerzen wie weggeblasen.
Von da an ging es die nächsten zwei Tage und Nächte mit der Intensiv-Chemotherapie weiter. Dank der Medikamente gegen die Übelkeit ging es mir in der Klinik drei Tage lang gut. Ich konnte die Speisen auf der Privatstation richtig genießen. Trotzdem hatte ich am Entlassungstag ein ungutes Gefühl: Würde es mir zu Hause schlechter gehen? Es bahnte sich merklich irgendetwas an.
Zunächst lief alles gut. Ich lag zu Hause den ganzen Tag auf der Couch, da ich total erschöpft war. Ich rührte mich kaum und dachte noch erleichtert, dass ich es mir schlimmer vorgestellt hatte. Bis am Abend dann die Übelkeit zuschlug. Von diesem Moment an habe ich fast eine Woche lang so gut wie nichts gegessen. Mir war es nur schlecht. Ich wollte die Übelkeit nur Wegschlafen. Ostern 2025 hatte ich also verschlafen.
Mittwochs stand der Kontrolltermin in der Klinik an, ich wusste kaum, wie ich es schaffen sollte. Die Autofahrt in die Klinik ging wie in Trance an mir vorbei. Zum Glück war das Blutbild in Ordnung. Die Ärztin versprach mir, dass ich beim nächsten Zyklus in zweieinhalb Wochen eine stärkere Dosis gegen die Übelkeit über die Infusion und auch etwas für zu Hause bekommen würde.
Und so wartete ich zu Hause mit Spaziergängen und meinem Hobby, dem Kochen, bis zum zweiten Zyklus der Intensiv-Chemotherapie ab. Dieser 4tägige Krankenhausaufenthalt lief dann auch wieder relativ schnell. Dieses Mal war jedoch kein Appartement frei, sondern nur ein Doppelzimmer in der Privatstation. Ich war als erste auf dem Zimmer und war darüber ganz froh. Am Nachmittag wurde meine Zimmernachbarin gebracht. Es war eine überaus nette, etwas mehr als 10 Jahre ältere Dame als ich. Wir verstanden uns auf Anhieb unglaublich gut und haben uns während dieser Zeit sehr viel miteinander unterhalten. Es herrschte eine wunderbare positive Stimmung im Zimmer. Daraus ist eine richtig schöne Freundschaft entstanden. Die vier Tage in der Klinik dauerten dieses Mal gefühlt etwas länger, aber Dank der höheren Dosis gegen die Übelkeit ging es mir deutlich besser als beim letzten Mal.






Nach einer Woche war dann wieder der Kontrolltermin. Es war soweit alles in Ordnung und ich erhielt den Ultraschalltermin zur Kontrolle der Lymphknoten. Vor diesem Termin hatte ich panische Angst. Dort musste sich zeigen, dass die Lymphknoten kleiner geworden waren – ansonsten hätte man auch diese Therapie abbrechen müssen. Ich war so unendlich erleichtert, als der junge Arzt mir bei diesem Termin bestätigen konnte, dass die Intensiv-Chemotherapie gewirkt hatte und die Lymphknoten tatsächlich etwas kleiner geworden sind.
Nun konnte endlich mit der Knochenmarkstimulation begonnen werden. Ich bekam Filgrastim-Spritzen nach Hause, die die Bildung der Blutstammzellen anregen sollte. Von da an wurde täglich das Blut kontrolliert, um zu schauen, wie viele Stammzellen bereits im Blut vorhanden sind. Als der Peak erreicht war (ich weiß nicht mehr genau, wie lange das gedauert hat, vielleicht 7 bis 10 Tage), wurden diese Blutstammzellen schließlich durch eine Apherese aus dem Blut gefiltert.
Wie es mir dabei ging und wie lange dies gedauert hat, erfährt Ihr im nächsten Beitrag.